PLog: Sigmar Gabriel, Thilo Sarrazin und überhaupt


von Sascha Korinek.

 

Lassen wir einmal die letzten Tage und Wochen Revue passieren. Die SPD dümpelt bei ungefähr 20 Prozent rum, die Rechtspopulisten haben nun auch in deutschen Parlamenten Einzug gefunden und das nicht zu knapp. In Österreich und Polen sind sie mittlerweile stärkste Kraft. In Österreich ist die FPÖ mittlerweile die Partei der Arbeiter.

Sigmar Gabriel. © Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Sigmar Gabriel.
© Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Dort dümpelt die SPÖ bei zehn bis 15 Prozent rum.  Ähnlich wie die SPD in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. Dort hat die AfD uns Sozis sogar schon überholt. Überproportional gewählt von Arbeitslosen und Geringverdienern mit geringerem Bildungsniveau – eigentlich typisches SPD Klientel. Aber sie wählen uns nicht. Woran liegt das? Ganz einfach: Die SPD ist nicht mehr Arbeiterpartei und hat ihr Ohr auch nicht mehr bei Menschen. Letzteres  gilt übrigens auch für andere etablierten Parteien. Die Flüchtlingskrise und das Thema Integration sind aktuell die Themen in Europa und Deutschland. Nur vertraut der Wähler in der Flüchtlingsfrage keiner Partei mehr, weil das politische System in den vergangenen Jahren versagt hat beim Thema Integration. Es wird auf Personen eingedroschen, die Probleme offen ansprechen. Es wird gesagt, die Bevölkerung muss das nun mal so akzeptieren, nach dem Motto „ist so, Pech gehabt“. Es wird abgelenkt mit anderen Themen (Hartz IV und Co). Und dann kommt eine Partei, die die Sachen endlich wieder benennt, anstatt sie wegzudiskutieren. 23% AfD in Sachsen-Anhalt wundern mich nicht. Das Traurige ist, dass diese Partei das Thema für ihre ausländerfeindlichen Parolen und ihr rückständiges Weltbild missbraucht. Genau da müssen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ansetzen.

 

Thilo Sarrazin – „ich habs euch ja gesagt..“

Ich sage damit nicht, dass die SPD sich AfD Forderungen zu eigen machen soll! Ich fordere, dass Politik sich wieder den Problemen stellt, auch wenn sie unbequem sind. Gerade hat Thilo Sarrazin sein neues Buch vorgestellt und ich habe mich gefragt, was seit seiner ersten Buchveröffentlichung 2010 passiert ist. Zugegebenermaßen war vieles Müll, aber auch viele Ansätze die es durchaus wert waren offen diskutiert zu werden. Aber von 2010 bis heute wurde nicht ernsthaft diskutiert, wie man beispielsweise etablierte Migranten-Ghettos wie zum Beispiel Duisburg-Marxloh und Berlin-Neukölln in den Griff bekommt. Im Gegenteil, die Zustände wurden schlimmer (siehe aktuell Kottbusser Tor, Berlin). Jeder der sagt, dies stimmt nicht lade ich gern ein, sich eine Nacht in meiner alten Heimat dem Ruhrgebiet mit mir um die Ohren zu schlagen. Ich sponsere den Kasten Bier und wir gehen zu einem Ruhrgebietsbahnhof deiner Wahl.

Und nun kommen noch mehr Zuwanderer. Natürlich haben viele Asysuchende einen Anspruch auf Schutz. Zu Wahrheit gehört aber auch, dass viele Menschen verunsichert sind. Und da müssen sie abgeholt werden! Es muss diskutiert und nicht abgewatscht werden! Und das nicht mit AfD Lösungen. Aber auch nicht mit den gängigen Phrasen, sondern mit echten Lösungen.

 

Sigmar Gabriel – #stillmyVorsitzender

Ich bewundere Sigmar Gabriel. Er versucht wenigstens was zu ändern. Und er haut auch mal auf die Kacke. Er verliert auch mal die Kontrolle. Sigmar Gabriel ist ein Mensch. Ich finde, Politiker sollten mehr Mensch sein! Bei anderen Spitzenpolitikern die rumschwafeln und mit Phrasen um sich werfen nur um keinen auf die Füße zu fallen bekomme ich das Kotzen. Langweilig. Ungreifbar. Ohne konkrete Vision. Solche Menschen sind Everybodys Darling. Aber an ihre Versionen, Ideen und Ansichten erinnert sich auch am Ende des Tages keiner.

In solchen Momenten schaue ich mir gerne Auftritte von Gerhard Schröder an. Der hat wenigstens Party gemacht und für Sachen mit Überzeugung gekämpft. Und deshalb mag ich auch Sigmar Gabriel. Er glaubt, dass Politik mehr sein sollte, als drei aalglatte wage Formulierungen in 30 Sekunden Tagesschau. Er kämpft für das Richtige, in der Hoffnung, dass das Gute irgendwann gewinnt.

Nur: was ist das Richtige? Das Problem ist, das der Funktionärskörper denkt, das Themen wie „Sozialismus jetzt“, „Gendergedöns XY“ und  „mehr Nachsicht bei kriminellen Straftätern“ weil soziale Lage schwierig, Papa böse und überhaupt genauso gut ankommen wie in den realitätsfernen Gremien der SPD, allen voran wie in den weiten Teilen der Jusos. Gerade hier sind die „Sigmar weg“-Rufe deutlich zu hören.

Ich hoffe, dass Sigmar Gabriel noch möglichst lange Parteivorsitzender bleibt. Denn wenn wir tatsächlich die oben genannten Themen in den Mittelpunkt stellen, sind wir bald einstellig. Und eins möchte ich auf keinen Fall. Dass Sigmar dann da steht und sagt „ich habs euch ja gesagt“. Dann ist es nämlich zu spät!

 
 
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