PLog: Die K-Antwort


von Johannes Jungilligens.

 

Die Bombe scheint geplatzt und das Ergebnis ist anders als die meisten es erwartet haben: Martin Schulz soll Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender werden, Sigmar Gabriel beerbt Frank-Walter Steinmeier im Außenministerium und wird – die wohl größte Überraschung – nicht Kanzlerkandidat. Die K-Frage hat somit eine K-Antwort erhalten.

 

K wie Kanzlerkandidat

Die K-Antwort: Schulz statt Gabriel! © Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Die K-Antwort: Schulz statt Gabriel!
© Johannes Jungilligens/fotostock.jusos-mg.de

Martin Schulz genießt nicht nur in der SPD, sondern parteiübergreifend großen Respekt. Als ehemaliger Präsident des Europaparlaments hat er Haltung bewiesen, wenn andere schon längst eingeknickt oder still geworden waren. Auch wenn dies nicht die ultimative Lobhudelei auf Martin Schulz werden soll: Er vereint Haltung, Charisma, politische Erfahrung, Bekanntheit, Ansehen und eine klare pro-europäische Positionierung. Und: Er hat eine „sozialdemokratische Geschichte“ zu erzählen – vom Buchhändler ohne Abitur zum Kandidaten für das wichtigste politische Amt des Landes. Ob die Merkel-CDU in diesem Jahr zu schlagen ist, hängt nicht alleine von der Sozialdemokratie ab – aber mit Martin Schulz ist eine progressive Koalition (sprich: Ampel? Die K-Ansage kommt zumindest genau einen Tag nach der Unterstützung der FDP für Steinmeiers Bundespräsidenten-Wahl…) zumindest ein wenig wahrscheinlicher geworden. Im Zweifelsfall haben wir mit Martin Schulz nach dem 24. September aber eben auch jemanden, der aus der Opposition heraus mit der Devise „Europe first“ wirken kann.

 

K wie Kommunikation

Das leidige Thema der parteiinternen Kommunikation bildet auch in diesen Tag wieder einmal das große AAAABER: Das je nach Blickwinkel entweder konsequent-eiserne oder kindische Festklammern an der „Vor Ende Januar sagen wir gar nichts“-Strategie wird durch zwei Vorabmeldungen des Sterns und der Zeit konterkariert, in denen schon heute am frühen Nachmittag – vor Sitzung der Bundestagsfraktion, vor Sitzung des Parteivorstandes – das große Stühlerücken inklusive Erbschaftsfolge und anderer Details bekanntgegeben wird. Kann man so machen, muss man nicht so machen. Immerhin hat Sigmar den Knall so auf seinem Konto.

 

Ein Dank ist angebracht

Sigmar Gabriel mag nicht der beliebteste und nicht der erfolgreichste SPD-Vorsitzende aller Zeiten gewesen sein, aber er hat die Partei in der wahrscheinlich schwierigsten Phase der Nachkriegszeit über einen – im Vergleich zu seinen Vorgängern – langen Zeitraum geführt. Wer jetzt spottet: „Ja, auf 20% geführt“, der darf sich daran erinnern lassen, dass niemand auf dieser Welt tatsächlich beurteilen kann, ob irgendein/e andere/r Parteivorsitzende/r bei einem anderen Ergebnis gelandet ist. Mit viel Gegenwind und Kritik – teils berechtigt, teils unberechtigt – ist Sigmar Gabriel dahin gegangen, wo es brodelt und stinkt (ich meine nicht den Juso-Bundeskongress). Auch mich hat er oft genug mit seiner impliziten Devise „teile und herrsche“ zur Verzweiflung (und mit dem ein oder anderen Boss-Move zum Lachen) gebracht.

Ihm gebührt ein Dank und Respekt: Nach einem langen Kampf – ob erfolgreich oder nicht steht auf einem anderen Blatt – selbst zurückzustecken und dem offensichtlich populäreren Genossen den Vortritt zu lassen, hätte ich nicht von ihm erwartet.

Als Außenminister wird er – berühmt für diplomatisches Geschick – sicherlich für das Ausbleiben von Langeweile sorgen. Man kann es aber auch umgekehrt betrachten: Die Zeiten des Kuschelkurses sind vorbei; ein Außenminister der mal auf den Tisch haut und ggf. einen Ticken weniger Geschmeidigkeit und stattdessen etwas mehr Haltung zeigt als der (großartige) FWS kann in Hochzeiten der Internationen Idiotie nicht schaden.

 

Das Problem bleibt: Where them girls at?

2013 waren es Sigmar, Frank-Walter und Peer, 2017 sind es Sigmar, Frank-Walter und Martin. In keiner Diskussion um realistische Kandidaturen für Posten in der allerallerersten Führungsreihe tauchen weibliche Namen auf. Immerhin die zweite Reihe ist inzwischen gut weiblich besetzt – aber es kann doch nicht sein, dass die Sozialdemokratische Partei in ihrer über 150-jährigen Geschichte immer noch keine Frau als Parteivorsitzende oder Kanzlerkandidatin aufweisen kann – und noch nicht einmal wirklicher jemand in Sichtweite ist.

 

Die Stimmung steigt: Mit Martin Schulz kann man Wahlkampf machen

Betrachte ich meine Sozen-Filterbubble auf Facebook und Twitter scheinen zwei Dinge klar zu sein:

  1. Die Erleichterung ist groß – Schulz ist den meisten lieber als Gabriel.
  2. Der Wahlkampf kann losgehen – mit Martin Schulz als Kandidaten entsteht urplötzlich eine Aufbruchstimmung in der Partei, die Bock auf ein aus NRW-Sicht gut gefülltes Wahlkampf-Jahr macht. Los geht’s!

 

PLog – Das Blog der PL.NRW

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